Musikverwaltung: so geht’s richtig

Endlich Schluss mit dem Chaos der Musikanzeige in iTunes und auf den iOS Geräten! Der folgende Artikel enthält einige Hintergrundinformationen zur Musikverwaltung und erklärt Schritt für Schritt unter Windows das Vorgehen zu einer optimalen und übersichtlichen Musikanzeige auf dem iPhone, iPad, iPod und in iTunes.

Viele Personen wundern sich über ein Anzeigechaos, nachdem sie ihre Musik in iTunes geladen und auf das iPhone übertragen haben. Häufig weißt die Musikstruktur keine vernünftige Sortierung auf, Alben werden nicht richtig angezeigt, die Titel besitzen keinen korrekten Namen oder Angaben zum Interpreten fehlen völlig. Doch mit etwas Hintergrundwissen und ein paar kleinen Änderungen an den Musikdateien kann man sehr leicht eine sehr vernünftige Anzeige der Alben, Titel, Interpreten und des Genre auf seinen iOS Geräten und auch in iTunes realisieren.
Die nachfolgenden Informationen geben einem darüber aufschluss, wie man das unter Windows umsetzen kann.

Hintergrundinformationen

Jede Musikdatei (wie z. B. mp3s) besitzen sogenannte Tags. Auf Deutsch bedeutet Tag so viel wie Schildchen oder Etikett. Die ID3 Tags sind Metadaten und können zusätzliche Informationen zur Audiodatei enthalten. So können die Metadaten den Titel-, Album- oder den Künstlernamen speichern. Weiterhin geben sie die Titelnummer, CD-Nummer oder das Genre an. Zusätzlich kann man für jede Audiodatei einen Kommentar hinterlassen. Als es früher noch nicht die Möglichkeit gab, die Informationen in den Tags der Audiodateien zu speichern, hat man häufig alle wichtigen Informationen in den Dateinamen gepackt. Sehr lange Dateinamen waren die Folge. Die Tags der mp3s kann man entweder in müher einzelarbeit manuell oder bequem mit sogenannten Tag-Programmen bearbeiten, löschen, oder neu hinzufügen..

iOS Geräte und iTunes

Bei vielen handelsüblichen mp3-Playern wird die Musik noch nach den Dateinamen in der vorhandenen Ordnerstruktur dargestellt. Die Tag-Angaben werden also zum größten Teil ignoriert. auf den iOS Geräten (iPhone, iPad, iPod) und in iTunes ist das nicht der Fall. Apple verfolgt hier ein anderes Prinzip. Die Anzeige findet über die Tags in den Audiodateien statt. Die Dateinamen spielen bei Apple keine Rolle.
Nachfolgend einige Beispiele, die das Prinzip veranschaulichen sollen:

  • Es befindet sich nur Ein Album auf dem iPhone. Der entsprechende Tag „Album“ ist nicht korrekt benannt und bei den Liedern unterschiedlich. Die Folge: Lässt man sich auf dem iPhone die Alben auflisten, wird nicht nur ein Album, sondern so viele Alben aufgelistet, wie unterschiedliche Tags vorhanden sind. Besitzen die Titel den gleichen Tag, wird auch nur ein Album aufgelistet, worin die Lieder angezeigt werden.
  • Enthält z. B. ein Album der Toten Hosen unterschiedliche Schreibweisen beim Interpreten, werden nicht alle Lieder der Band unter dem richtigen Interpret angezeigt.
  • Möchte man auf seinem iOS Gerät oder in iTunes alle Lieder nach einn em Genre, z. B. Rock oder Trance anzeigen lassen, müssen auch alle Lieder mit dem entsprechenden Genre benannt sein.
    Lieder, die keinen oder einen falschen Genre aufweisen, wird man auch nicht in dem gewünschten Teilbereich auffinden.
  • Sollen alle Titel eines Albums in der richtigen Reihenfolge (z. B. bei geöffneter Albenansicht) angezeigt werden, so spielen die Namen der Dateien keine Rolle. Die Lieder werden ausschließllich über die Titelnummern des entsprechenden Tag sortiert.

Für eine korrekte und übersichtliche Anzeige der Musik in iTunes und den iOS Geräten ist also eine sinnvolle und einheitliche Angabe bei den Tags umbedingt notwendig! Selbst Groß- und Kleinschreibung wird bereits unterschieden.

Möglichkeiten zum Ändern von Metadaten

Es gibt mehrere Möglichkeiten die Metadaten in der Musik einzutragen, bzw. abzuändern:

  1. Die Lösung über den Windows Explorer benötigt sehr viel Zeit, da man bei jeder Audiodatei einzelnd die Metadaten manuell eintragen muss. Das Risiko eines Verschreibers ist hier ebenfalls recht hoch. Öffnet man die Eigenschaften einer Audiodatei und lässt sich die Registerkarte „Details“ anzeigen, werden alle Metadaten angezeigt, die man bearbeiten kann.
  2. Eine etwas bessere alternative zum Taggen von Musikdateien stellt iTunes dar. Mit der Verwaltungssoftware ist es möglich für Musiktitel, die man in der Mediathek gespeichert hat, vernünftige und einheitliche tags zuzuweisen. Einen Rechtsklick auf einen Titel öffnet das Kontextmenü. Anschließend muss man den Punkt „Information“ öffnen und zur Registerkarte „Infos“ wechseln. Im folgenden wird u. a. eine Eingabemaske der Tags, wie z. B. Album, Interpret, Titel, usw. angezeigt, in der man die Metadaten bearbeiten kann. In Windows stellt dies zwar eine bessere Alternative gegenüber dem Windows Explorer dar, ist aber dennoch aufgrund der nicht sehr guten Bedienung von iTunes für Blinde mit einem Screenreader (z. B. JAWS) nicht ideal.
  3. Die beste und auch praktischste Alternative stellen spezielle Programme zum bearbeiten von Metadaten (Tags) dar. Mit ihnen ist es auf eine sehr einfache Art und Weise möglich, ganze Albem aufs Mal mit den korrekten Metadaten abzuspeichern. Im folgenden Abschnitt wird einer der besten Programme dafür genauer in seinen Funktionen und Möglichkeiten vorgestellt, die das Beschriften der Musiktitel sehr einfach macht. Das Programm ist mit JAWS – und voraussichtlich auch mit anderen Screenreadern – sehr gut zu bedienen.

Mp3tag

In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Informationen zu Mp3tag genannt. Auf jede Funktion des Programms kann leider, aufgrund seiner Vielfalt und Umfangs, nicht im einzelnen eingegangen werden.

Zunächst muss man das Programm von der Webseite des Entwicklers herunterladen, installieren und im Anschluss über die entsprechende Programmverknüpfung starten.

Um ein vollständiges Album korrekt mit Metadaten auszustatten, muss man im nächsten Schritt das entsprechende Album in Mp3tag öffnen. Hierfür geht man in das Dateimenü und aktiviert den Punkt „Verzeichnis wechseln“ (Kurztaste: STRG+D). Im folgenden Dialog wählt man das zu bearbeitende Album aus und öffnet es durch den Schalter „Ordner auswählen“.
Als nächstes befindet man sich wieder im Hauptfenster von Mp3tag. Die Bedienung ist sehr einfach gehalten. Es gibt eine Liste, in der die einzelnen Dateien Angezeigt werden. Mit Pfeil AUF und AB kann man zwischen den einzelnen Audiodateien navigieren. Möchte man die Tag Informationen einer Datei ändern, wählt man mit den Pfeiltasten eine Datei aus und springt mit TAB von Feld zu Feld. Man kann die Tag Informationen direkt herauslöschen und neu hineinschreiben.
Möchte man gleich mehrere Dateien aufs Mal bearbeiten, was z. B. bei einem Album durchaus Sinn ergibt, da es viele gleiche Informationen enthält, muss man in der Liste der angezeigten Dateien STRG+A drücken, alle Dateien sind nun markiert. Im Anschluss kann man mit Tab durch die unterschiedlichen Felder springen und die Gleichen Informationen eintragen. Natürlich ist darauf zu achten, dass z. B. das Eingabefeld für den Titel unverändert bleibt, ansonsten würde jedes Lied den gleichen Namen besitzen. Abschließend, nachdem die Informationen für das Album fertig bearbeitet wurden, speichert man die vorgenommenen Änderungen mit der Tastenkombination STRG+S ab. Danach kann man Mp3tag mit ALT+F4 schließen oder mit dem Kurztastenbefehl STRG+D zum nächsten Album wechseln.
Die folgenden Tags können mit Mp3tag bearbeitet werden:

  • Titel: Hier sollte der Musiktitel hineingeschrieben werden. Diese Angabe ist für iTunes und die iOS Geräte sehr wichtig.
  • Interpret: In dieses Eingabefeld sollte der Interpret eingefügt werden. Diese Information ist für iTunes und die iOS Geräte sehr wichtig.
  • Album: Hier sollte der Name des Albums eingefügt werden. Diese Information ist für iTunes und iOS Geräte sehr wichtig.
  • Jahr: In dieses Eingabefeld sollte das Erscheinungsjahr eingetragen werden. Dieses Feld ist für eine korrekte Anzeige in iTunes und den iOS Geräten nicht ganz so wichtig.
  • track: In diesem Feld sollte die Titelnummer eingetragen werden. Dies ist für die Anzeige in iTunes und den iOS Geräten sehr wichtig.
  • Genre: Hier kann das Genre ausgewählt werden. Man kann das Genre manuell eintragen, oder eines der vorhandenen Genre mit Pfeil AB oder AUF auswählen. Diese Information sollte auf jeden Fall getroffen werden, da diese Angabe für eine korrekte Anzeige sehr wichtig ist.
  • Kommentar: Hier kann man Kommentare für einzelne Dateien eintragen. Diese Information ist für eine korrekte Anzeige in iTunes und den iOS Geräten absolut nicht notwendig und kann somit leergelassen werden.
  • Album Interpret: Hier ist es möglich den Album Interpret einzufügen. Diese Information ist recht bedeutsam und sollte daher auf jeden Fall für eine korrekte Anzeige in iTunes und den iOS Geräten eingefügt werden.
  • Komponist: IN diesem Feld kann der Komponist eingefügt werden. Diese Information ist nicht sonderlich bedeutsam und kann somit leergelassen werden.
  • CD-Nummer: In diesem Feld kann die aktuelle CD-Nummer eingetragen werden. Diese Angabe ist nicht umbedingt notwendig und kann somit leergelassen werden.

Wurde ein Album komplett mit sauberen Tag Angaben versehen, bietet Mp3tag eine sehr nützliche und tolle Funktion zum bequemen umbenennen der einzelnen Dateinamen an. Hierfür muss man wie folgt vorgehen:

  1. Zunächst muss man in der Liste der Dateien alle mit STRG+A markieren.
  2. Im Anschluss geht man in das Menü „Konverter“ und öffnet dort den Punkt „Tag – Dateinamen“.
  3. Im direkt angezeigten Eingabefeld kann man über unterschiedliche Variablen den gewünschten Dateinamen nach seinen eigenen Bedürfnissen anpassen. Beliebiger Text, wie z. B. ein Bindestrich „-“ kann selbstverständlich zwischen den einzelnen Variablen eingefügt werden.
    • %album% – Der Albumname wird eingefügt.
    • %artist% – Der Interpret wird eingefügt.
    • %comment% – Der vorhandene Kommentar wird eingefügt.
    • %genre% – Das Genre wird in den Dateinamen eingefügt.
    • %title% – Der Titel wird in den Dateinamen eingefügt.
    • %track% – Die Nummer des Tracks wird in den Dateinamen eingefügt.
    • %year% – Das Erscheinungsjahr wird in den Dateinamen eingefügt.
  4. Nach der Anpassung der Variablen muss man mit TAB auf den Schalter OK springen und die Eingabetaste Drücken.
  5. Die Dateinamen wurden direkt umgeändert und man kann mit ALT+F4 das Programm schließen oder mit STRG+D mit dem nächsten Album fortfahren.

Abschließend kann man sagen, dass Mp3tag das Beschriften von Metadaten unheimlich vereinfacht und auch extrem beschleunigt! Es ist kein einzelnes Umbenennen im Windows Explorer notwendig, man muss sich auch nicht mehr mit iTunes herumschlagen – die Funktion zum Beschriften ist hier leider für Screenreader-Nutzern nicht gerade ideal.
Nach kurzer Einarbeitungszeit ist mit Mp3tag in wenigen Augenblicken ein komplettes Album beschriftet, so lassen sich zwei bis drei Alben in wenigen Minuten ideal für die Mediathek von iTunes und für die iOS Geräte vorbereiten.

Vorgehen

Herrscht bereits ein mittleres oder gar größeres Chaos in iTunes und/oder auf den iOS Geräten, oder man überträgt zum ersten Mal Musik über iTunes auf sein iOS Gerät, hat sich folgender ablauf mehrfach bewährt:

  1. Zunächst erstellt man im Windows Explorer einen Musikordner, in dem alle Alben hineinkopiert werden, die am Ende in iTunes und auf den iOS Geräten vorhanden sein sollen.
  2. Im zweiten Schritt werden alle Alben, die in dem zuvor angelegten Ordner kopiert wurden, nacheinander mit Mp3tag vernünftig und einheitlich mit Tags ausgestattet. Es ist darauf zu achten, dass alle Titel eines Albums auch den exakt gleichen Alben- und Interpretennamen erhalten, mit einem vernünftigen Titel versehen und mit einem Genre beschriftet werden.
  3. Als nächstes sollten die Inhalte (betrifft u. a. auch vorhandene Musik) auf dem iPhone gelöscht werden. Damit wird gewehrleistet, dass nicht am Ende zum Teil Musiktitel oder gar ganze Alben doppelt vorhanden sind.
    Zum Löschen der Inhalte öffnet man auf dem iOS Gerät die Einstellungen, geht in das Untermenü „Allgemein“ hinein und öffnet den Punkt „Zurücksetzen“. Im folgenden Fenster muss man auf „Inhalte und Einstellungen“ tippen, den anschließenden Dialog muss man zustimmen. Die Inhalte und Einstellungen werden nun gelöscht.
    Der Nachteil an dieser sicheren Methode: Man muss im Anschluss seine getroffene Einstellungen erneut vornehmen.
  4. Im vierten Schritt öffnet man iTunes und entfernt alle Musiktitel, die sich bisher noch in der Mediathek befinden. Die Musik wird im Bereich „Musik“ angezeigt. Alternativ kann man sich auch eine neue Mediathek anlegen.
  5. Ist die Mediathek frei von Musik, muss man im fünften Schritt die Alben, die man zuvor mit Mp3tag bearbeitet hat, zu iTunes hinzufügen.
    Hierfür öffnet man im Menü „Datei“ den Punkt „Ordner zur Mediathek hinzufügen“ und wählt im folgenden Dialogfenster den Musikordner aus, der die Alben für iTunes und das iOS beinhaltet.
  6. Wurden die Titel zuvor korrekt mit Mp3tag benannt, wird ab sofort die Musik mit vernünftigen Metadaten in iTunes angezeigt.
  7. Zu guter Letzt muss man sein iOS Gerät an den PC anschließen und noch die vollständige Musik von iTunes mit dem iOS Gerät synchronisieren. Im Anschluss kann man sich die Musiktitel auf dem iPhone, iPad oder iPod korrekt nach Titel, Alben, Interpreten und Genre anzeigen lassen.

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