Textverarbeitung am Mac mit VoiceOver

Dass Textverarbeitung am Mac nicht ganz so barrierefrei ist wie viele andere Bereiche, finden die meisten Umstiegsinteressierten rasch heraus. Dennoch bleibt meist eine Restunsicherheit darüber, was geht und was nicht. Dieser Frage soll im folgenden Artikel auf den Grund gegangen werden.

Grundsätzliches zur Zugänglichkeit bei der Textverarbeitung

Ob man mit VoiceOver Texte vernünftig bearbeiten kann, hängt im Wesentlichen von zwei verschiedenen Punkten ab:

  1. Vom Funktionsumfang des verwendeten Programms
  2. Von der Zugänglichkeit der einzelnen Funktionen mit VoiceOver

Was den Funktionsumfang angeht, so gibt es je nach Programm große Unterschiede. Textedit, das standardmäßig mit Mac OS X ausgeliefert wird, ist beispielsweise ein kleiner Editor. Mit ihm kann man einfache Formatierungen wie fett und kursiv vornehmen, aber auch Listen und Tabellen einfügen. Pages oder Nisus Writer sind umfangreichere Textverarbeitungsprogramme, die neben den eben genanten Möglichkeiten noch viele weitere Funktionen bieten, u. a. Fußnoten, Kommentare, Änderungsprotokoll, eigene Dateivorlagen für bestimmte Anlässe u. v. m.

Ob man all diese Funktionen als VoiceOver Nutzer anständig verwenden kann, hängt davon ab, wie gut das Programm im Sinne der Barrierefreiheit programmiert wurde und ob VoiceOver damit zusammenarbeiten kann.

Das geht

In der Regel kann man mit VoiceOver die folgenden Arbeiten am Text durchführen:

  • Textteile anders formatieren, z. B. fett, kursiv, unterstrichen usw.
  • Änderungen an der Schrift vornehmen, z. B. Schriftart und Schriftgröße ändern
  • Textausrichtung ändern, z. B. linksbündig, zentriert, rechtsbündig usw.
  • Tabulatoren und Einrückungen festlegen
  • Zeilenabstände und Seitenränder anpassen
  • Listen einfügen

Beim Formatieren von Text ist zu beachten, dass bei einigen Programmen die richtigen Einstellungen aus dem Menü gewählt oder via Tastenkürzel vorgenommen werden können, während man bei anderen in eine Formatierungsleiste wechseln muss. Um dies zu bewerkstelligen, muss der zu formatierende Text zunächst markiert und anschließend die Cursorverfolgung mit ctrl+alt+shift+f3 deaktiviert werden. Danach erst kann man mit dem VoiceOver Cursor in die Formatierungsleiste navigieren und die gewünschten Formatierungen vornehmen.

Bei der Arbeit mit Tabulatoren und Einrückungen ist darüber hinaus zu beachten, dass es in VoiceOver keine Möglichkeit gibt, die Position der Einfügemarke in Bezug auf den Seitenrand korrekt ansagen zu lassen. Mögliche Positionsbeschreibungen beziehen sich stets auf die obere Bildschirmecke oder den Fensterrand und liefern deshalb keine korrekten Ergebnisse. Dadurch wird das Formatieren m. E. erheblich erschwert.

Das geht nicht

Grundsätzlich gilt: Das MS Office Paket für den Mac ist mit VoiceOver nicht zugänglich. Selbiges gilt für das kostenfrei erhältliche Open Office.

Ein weithin bekanntes Problem bei der Textverarbeitung mit VoiceOver sind außerdem Tabellen. Diese können von VoiceOver weder ausgelesen noch mit dessen Hilfe erstellt werden. Es gibt zwar diverse Workarounds, mit denen man sich im Alltag behelfen kann, aber sie bedeuten einen erhöhten Aufwand und das Ergebnis kann durch VoiceOver nicht ausreichend kontrolliert werden.

Auch ist es mit VoiceOver nicht möglich vordefinierte Überschriften auszuwählen. Das Einzige, was man hier tun kann, ist, die Überschriften händisch anders zu formatieren. Sie werden von VoiceOver dann aber nicht als Überschrift erkannt und können demzufolge auch nicht angesprungen werden.

Weitere bekannte Probleme ergeben sich für die Kommentarfunktion in Pages oder Nisus Writer bzw. für das Änderungsprotokoll (manchen dürfte diese Funktion unter Word als Änderungen nachverfolgen bekannt sein).

Es ist zwar möglich mit VoiceOver zu erkennen, dass in einem Dokument Änderungen vorhanden sind, und teilweise ist es auch möglich diese Änderungen anzusehen, aber man kann sie nicht im Zusammenhang anschauen, sodass man nicht weiß, an welcher Stelle des Textes diese Änderung gemacht wurde. Eine kleine Ausnahme bildet hier das speziell für Autoren gemachte Programm Scrivener. In diesem ist es möglich Schnappschüsse von früheren Versionen zu erstellen und die Versionen miteinander zu vergleichen. Dabei werden Änderungen auf der Braillezeile angezeigt und von VoiceOver angesagt. Die Umsetzung ist nicht optimal, geht aber in die richtige Richtung. Dieses Programm dürfte im Allgemeinen jedoch nur für Autoren interessant sein.

Das oben genante Problem tritt, wie eben geschrieben, auch bei Kommentaren auf. Diese sind so ersichtlich wie die Änderungen, aber auch hier fehlt der direkte Zusammenhang zum Text, sodass man als Nutzer auch hier nicht weiß, zu welchem Satz ein Kommentar gemacht wurde.

Schlussbemerkungen

Dieser Artikel kann nur einen groben Überblick über die Möglichkeiten und Grenzen mit VoiceOver im Bereich der Textverarbeitung bieten. Die hier gelisteten Funktionen wurden von mir erfolgreich bzw. erfolglos ausprobiert, sind aber nur ein Ausschnitt aus all den Funktionen, die ein umfangreicheres Textverarbeitungsprogramm bieten kann. Deshalb gilt grundsätzlich für alles: Ausprobieren und sich überraschen lassen. Es gibt hin und wieder auch positive Überraschungen. Und falls etwas nicht läuft, gibt es Apple Accessibility. Meiner Ansicht nach ist es wichtig, die Programmierer von voiceOver auf Schwachstellen im Bereich der Textverarbeitung hinzuweisen, damit der Mac auch in diesem Bereich ein guter Ersatz für Windows mit Screenreader werden kann.

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