Eine Woche mit der Apple Watch: ein Zwischenresümee

Seit etwas mehr als eine Woche ist nun die Apple Watch im Alltag mein ständiger Begleiter. In dieser Zeit kristallisierten sich allmählich Stärken und Schwächen der intelligenten Uhr heraus. Zeit also, um ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. Im Folgenden werde ich in einer Art Pro- und Kontra-Liste unterschiedliche Aspekte der Uhr ansprechen und zu manchen Punkten etwas ausführlicher Stellung beziehen.

Was spricht für die Apple Watch?

  • Exzellente Verarbeitung

    Wie man es bereits von Apple gewohnt ist, ist auch die Apple Watch hervorragend verarbeitet. Die Ecken des Gehäuses sind abgerundet und die Tasten sind gut zu erfühlen. Bei meinem Modell besteht das Gehäuse auf der Oberseite aus dem ‚nahezu unverwüstlichen‘ Saphirglas, seitlich und zum Teil auf der Unterseite besteht die Uhr aus Edelstahl, das Induktionsfeld und die Taptic Engine besteht äußerlich aus Keramik. Alle Materialübergänge sind quasi nicht zu erfühlen.

  • Lederarmband mit Schlaufe

    Ich persönlich habe mich für das Lederarmband mit Schlaufe entschieden. Meine anfänglichen Befürchtungen, dass durch den Magnetverschluss die Uhr etwas unsicher am Handgelenk sitzt, haben sich absolut nicht bestätigt. Nachdem man die längere Seite des Armbandes durch die Schlaufe auf der kürzeren Seite des Bandes gezogen hat, schlägt man das durchgezogene Stück einfach zurück. Ähnlich wie ein Klettverschluss ‚kleben‘ die zwei Armbänder fest aufeinander. Eine gut fühlbare Riffelung des Lederarmbandes sorgt dafür, dass der Verschluss nicht verrutscht. In meinen Augen ist das eine wirklich gelungene Art eine Uhr am Handgelenk zu tragen.

  • Schnelle und unkomplizierte Einrichtung

    Ein weiterer Pluspunkt ist die sehr schnelle und wirklich unkomplizierte Einrichtung. Nachdem man über den Einrichtungsassistenten wenige Schritte durchlaufen hat, ist die Uhr nach wenigen Minuten betriebsbereit. Jeder, der bereits einmal ein iPhone oder iPad konfiguriert hat, wird bei der Einrichtung der Apple Watch keinerlei Probleme haben.
    Intuitive Bedienung: Das Watch OS, also das Betriebssystem der Apple Watch, weißt eine sehr einfache und intuitive Bedienung auf. Darunter fällt auch die wirklich durchdachte Bedienung von VoiceOver, die an einigen Stellen der Bedienung auf dem iPhone sehr ähnlich ist. Eine Stärke von Apple, die bereits seit Jahren von Mac OS und iOS bekannt ist und auf der Apple Watch fortgesetzt wird.

  • Digitale Krone

    Zwar fällt die Digitale Krone eigentlich unter die Kategorie: Bedienung der Apple Watch, jedoch möchte ich diese Art der Navigation in einem gesonderten Punkt hervorheben. Denn: Hier hat Apple sich etwas wirklich Feines ausgedacht. Anfänglich stellte ich mir die digitale Krone als ein wirklich sehr kleines Rädchen vor, die eine ähnliche Größe besitzt, wie man sie von klassischen Uhren her kennt.
    Allerdings ist die digitale Krone deutlich größer. Die leichte Riffelung sorgt dafür, dass man sie mit einem Finger hervorragend drehen kann. Drückt man sie ein, zwei oder drei Mal, werden unterschiedliche Aktionen ausgeführt. Aktiviert man durch einen dreifachen Tipp mit zwei Fingern den Steuerungsmodus von VoiceOver für die digitale Krone, ersetzt das Drehen der Krone die Streichgeste nach links und rechts auf dem Bildschirm.

  • Schnelles Erledigen diverser Aufgaben

    Kommen wir wohl zur wichtigsten Frage: Ermöglicht uns die Apple Watch diverse Aufgaben bequemer und schneller zu erledigen, die man ansonsten auf dem iPhone ausführen müsste? Die Frage kann man mit einem klaren ja beantworten! Ohne das iPhone aus der Hosentasche oder Handtasche herauszuholen, kann man auf super schnelle Art und Weise Nachrichten beantworten, Sprachnachrichten versenden, ein kurzes Telefonat führen, sich Infos zum Wetter anzeigen lassen, das Postfach auf neue E-Mails überprüfen, E-Mails Beantworten, sich die nächsten Termine oder Erinnerungen anzeigen lassen, neue Termine oder Erinnerungen erstellen, kurze Nachrichten über Skype oder Twitter versenden, Steuerung der Musikwiedergabe, Sammeln und Anzeige von Gesundheitsdaten, und noch vieles mehr. All diese Aufgaben kann man in wenigen Augenblicken an der Uhr erledigen, auch die Unterstützung von VoiceOver ist in all den genannten Bereichen hervorragend!

  • Große Auswahl und Anpassungsmöglichkeiten der Gesichter

    Apple nennt seine diversen Zifferblätter Gesichter. Sehr schön ist, dass man hier bereits von Beginn an aus elf unterschiedlichen Gesichtern für seine Uhr wählen kann. Die einzelnen Gesichter lassen sich dann noch in einer Art Anpassungsmodus personalisieren, eine wirklich gelungene Sache! So habe ich mich z. B. für das Gesicht: Modular entschieden. Dieses Gesicht zeigt neben dem Datum und der Uhrzeit noch die aktuelle Temperatur, die verbleibende Akkulaufzeit, die nächsten Termine im Kalender und seine Persönlich erreichten Fitnesziele an. Wenn jemand die Anzeige seiner nächsten Termine nicht so interessiert, und stattdessen lieber Infos zum Sonnenauf- und Untergang angezeigt bekommen möchte, so kann man solche Anpassungen problemlos vornehmen.

  • Induktives Aufladen

    Sehr praktisch finde ich die induktive Aufladefunktion der Apple Watch. Um die Uhr aufzuladen, legt man sie auf eine kleine Ladeschale. Diese hat ungefähr die Größe einer Zwei-Euro-Münze. Die Unterseite der Uhr und die Ladeschale werden über einen leichten Magneten in der richtigen Position gehalten. Nach ca. drei Stunden ist die Uhr in den meisten Fällen wieder bei 100 Prozent angelangt.

  • Software-Updates

    Selbstverständlich darf man von solch einer Uhr auch erwarten, dass Apple das Watch OS über Software-Updates stets verbessert und der Apple Watch neue Funktionen spendet. Bereits vier Wochen nach dem Erscheinen der Uhr hat Apple z. B. das erste kleinere Update herausgebracht (Watch OS 1.0.1), bei dem einige Fehler beseitigt, performance-Verbesserungen vorgenommen und auch, für unseren Personenkreis sehr erfreulich, VoiceOver-Fehler behoben wurden. Man darf also gespannt sein, welche neue Funktionen in den kommenden Watch OS Updates auf uns warten.

Aktuelle Probleme, Kritik und Denkanstöße

  • Lautsprecher

    Selbstverständlich darf man von dem verbauten Lautsprecher keine Wunder erwarten. In ruhigen Umgebungen ist auch VoiceOver sehr gut verständlich. Allerdings ist die Lautstärke doch sehr begrenzt. Hat man VoiceOver auf 90 oder gar 100 Prozent der Lautstärke gestellt, dröhnen die Lautsprecher doch schon ziemlich. In etwas lauteren Umgebungen muss man dann auch die Uhr bereits direkt ans Ohr halten, damit man überhaupt noch etwas verstehen kann. In lauteren Umgebungen, wie z. B. in der Freiburger Stattmitte, konnte ich teils auch VoiceOver gar nicht verstehen. Bleibt für die Zukunft zu hoffen, dass es Apple technisch möglich ist, in den kommenden Generationen der Apple Watch etwas qualitativ bessere Lautsprecher zu verbauen.

  • Hoher Preis

    Apple war noch nie ein Unternehmen, das sonderlich kostengünstig seine Produkte vertrieben hat. Die Apple Watch macht hier auch keine Ausnahme. Selbstverständlich sind im Umkehrschluss auch die Produkte immer aus den besten Materialien gefertigt, ob man jedoch wirklich für eine Apple Watch je nach Modell zwischen 400 und 1250 Euro ausgeben möchte, muss letzten Endes jeder für sich selbst entscheiden. Die Preise der Apple Watch Edition spreche ich hier erst gar nicht an.

  • Fehlende Apps

    Ihre Stärken spielt die Apple Watch natürlich erst wirklich dann richtig aus, wenn auch die wichtigsten und beliebtesten Apps ihren Weg auf die Uhr finden. Leider gibt es von Facebook, Facebook Messenger, Whatsapp, Trema oder die für unseren Personenkreis sehr interessante und beliebte BlindSquare-App noch keine offizielle Apple-Watch-Unterstützung. Gerade bei den vier genannten Apps erhoffe ich mir, dass die Unterstützung möglichst bald realisiert wird, stellen sie doch bei mir die größte Nutzungsdauer auf dem iPhone dar.

  • Mühsames Auffinden von Apps über den Homebildschirn

    Die Darstellung der Apps wurde zwar für sehende Benutzer optisch sehr schön gelöst. Blinde Anwender stehen jedoch vor dem Problem, dass das Auffinden bestimmter Apps doch recht mühsam ist. Um sicher zu gehen, dass man die gewünschte App nicht ‚übersieht‘, muss man entweder mit der digitalen Krone oder mit der Streichbewegung nach rechts alle Apps abwandern, bis man zur gewünschten App gelangt ist. Je nach Lage der Apps, kann das schon einmal eine Weile dauern. Ich persönlich gehe daher fast immer den Weg mir die Apps mit Hilfe von Siri zu öffnen. Mit dem Befehl: „Starte App X“, wird die gewünschte App geöffnet.

  • „Hi Siri“

    Über das lange Drücken der digitalen Krone kann man die Sprachassistentin Siri starten. Als zweite und eigentlich auch praktischere Möglichkeit kann man nach dem Aufwecken der Uhr Siri mit den Worten „Hi Siri“, gefolgt von dem gewünschten Befehl starten. Allerdings reagiert die Sprachassistentin nicht immer auf den Sprachbefehl „Hi Siri“. Manchmal kommt es vor, dass selbst nach dem 2. Oder 3. Aufwecken Siri nicht reagiert. Häufig entnervt wähle ich dann das alternative Aufrufen von Siri über die digitale Krone. Auf der anderen Seite gibt es auch Situationen, bei denen das Aufrufen ohne Probleme funktioniert. Bleibt zu hoffen, dass Apple hier noch in den folgenden Updates die Erkennungsrate noch etwas nach oben schrauben kann. Denn eigentlich ist das Starten von Siri über das Sprachkommando eine wirklich feine Sache!

  • Verkürzte Akkulaufzeit des iPhones

    Auf diversen Blogs zur Apple Watch konnte man nachlesen, dass einige Benutzer mit deutlich verkürzten Laufzeiten des verbundenen iPhones zu kämpfen haben. Anfänglich stand ich vor dem gleichen Problem: In der Regel benötigt mein iPhone 6 Plus über die Nacht ca. zwei bis drei Prozent Akku. Nach der Kopplung der Apple Watch waren am nächsten Morgen bei mir ganze 17 Prozent auf dem iPhone aufgebraucht. Auch am Folgetag benötigte mein iPhone 6 Plus ungewöhnlich viel Strom. Inzwischen konnte ich das Problem lösen. Allerdings kann ich nicht sagen, welches der beiden Lösungen mir geholfen haben, da ich die Apple Watch für meinen Artikel zur Einrichtung der Uhr einmal auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt habe.

    • Lösung 1: Die Apple Watch App auf dem iPhone muss manuell von dem Benutzer über den App-Umschalter beendet werden.
    • Lösung 2: Zurücksetzen und Neueinrichtung der Apple Watch über die Apple Watch App auf dem iPhone.
  • Streichgeste funktioniert nicht immer zuverlässig

    Streicht man nach links oder rechts über den Bildschirm, springt der VoiceOver-Cursor zum nächsten, bzw. vorherigen Element. Diese Geste funktioniert jedoch nicht immer reibungslos. Öffnet man z. B. eine App oder einen Check, sollte man problemlos den Bildschirminhalt mit der oben genannten Geste erkunden können. Manchmal kommt es jedoch vor, dass VoiceOver nicht den vollständigen Bildschirminhalt vorliest. In diesen Fällen ist es besser, wenn man den Bildschirm mit einem Finger erkundet.

Neutrale Aspekte

  • Reaktionsgeschwindigkeit von VoiceOver

    Die Reaktionsgeschwindigkeit von VoiceOver auf der Apple Watch ist selbstverständlich keines Falls mit der Reaktionsgeschwindigkeit auf einem iPhone 6, 5s oder 5 gleichzusetzen. Anwender, die das erwarten, werden auf jeden Fall bitter von der Uhr enttäuscht werden. Meiner Meinung nach ist die Reaktionsgeschwindigkeit noch im Rahmen, sollte aber auf keinen Fall noch langsamer werden. Hiervon ist eigentlich auch nicht auszugehen. Im Gegenteil: Ich bin mir sicher, dass Apple zukünftig durch weitere Optimierungen am Code dafür sorgen kann, dass VoiceOver noch einen Ticken Reaktionsfreudiger läuft. Schließlich handelt es sich noch um die erste Version des Watch OS. Spätestens mit einer weiteren Apple Watch Generation mit neuer Hardware sollte dann diese ‚Unschönheit‘ der Geschichte angehören.
    Und damit ich jetzt nicht falsch verstanden werde: Selbstverständlich ist mit VoiceOver auf der Apple Watch produktives Arbeiten möglich.

  • Akkulaufzeit

    Die Laufzeit der Apple Watch ist auch bei aktivierten VoiceOver soweit vollkommen in Ordnung. Mit einer vollen Ladung kommt man locker durch einen langen Tag, sofern man nicht die Uhr pausenlos benutzt. Nach einem 12 bis 14 stündigen Tag habe ich noch meist zwischen 20 und 40 Prozent Strom auf der Apple Watch zur Verfügung. Möchte man als blinder Anwender weitere Prozente am Akkuverbrauch über den Tag weg einsparen, kann man über die Einstellungen der Bedienungshilfen den vom iPhone bereits bekannten Bildschirmvorhang aktivieren. Möchte man am Folgetag nicht auf die Apple Watch verzichten, wird man so oder so nicht um ein tägliches, bzw. nächtliches Laden herumkommen.

Fazit

Wie bei jedem Produkt, so auch bei der Apple Watch, gibt es Führsprecher und Kritiker.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass man mit der Uhr viele Aufgaben, die man bisher auf dem iPhone ausgeführt hat, nun auf der Watch schneller erledigen kann. Gerade das Antworten auf Nachrichten, Erstellen von Erinnerungen und Terminen klappt sehr gut und zuverlässig. Bei der Bedienung macht VoiceOver einen guten und stabilen, wenn auch nicht sonderlich schnellen Eindruck. Hier und dort gibt es mit Sicherheit auch noch verbesserungspotential, was bei einer völlig neuen Gerätegeneration und dem Watch OS 1.0 auch nicht verwundert.

Seit ich die Uhr besitze, greife ich auf jeden Fall deutlich weniger zum iPhone. Ob das natürlich jedem die angesprochenen 400 bis 1250 Euro wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Auf jeden Fall erhält man mit der Apple Watch ein sehr edles Produkt, welches bereits gut im Alltag funktioniert, das aber auch seinen stolzen Preis hat.

Nun müssen unbedingt die App-Entwickler nachziehen und ihre Unterstützungen für die Apple Watch auf den Markt bringen. Für mich absolut unverständlich und auch sehr enttäuschend ist, dass es bislang keine Watch-OS-Unterstützung seitens WhatsApp, Facebook und dem Facebook Messenger für die Apple Watch gibt. Gerade von solch beliebten und somit häufig verwendeten Apps sollte man schon erwarten dürfen, dass zu mindestens nach vier Wochen Marktstart der Uhr eine rudimentäre Nutzung auf der Uhr möglichsein sollte. Schließlich liegt die Vorstellung der Apple Watch über ein halbes Jahr zurück, mehr als genug Zeit also, um seine App-Funktionen auf die Uhr zu bringen. Man darf also hoffen, dass sich hier in naher Zukunft etwas ändert.

Abschließend kann man festhalten, dass die Apple Watch kein Produkt ist, welches man unbedingt besitzen muss, ein iPhone oder iPad ist für Personen, die noch kein solches Gerät besitzen sicherlich noch interessanter – ganz davon abgesehen, dass die Nutzung der Uhr ein iPhone 5 oder neuer voraussetzt. Wer jedoch eine Apple Watch besitzt, wird schnell die Vorteile entdecken und sie nach kürzester Zeit auch nicht mehr vom Handgelenk ablegen wollen, außer sie auf dem Connector aufzuladen.

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